TPU90A oder TPU95A? Entscheidend ist nicht,  ob sich das Filament biegen lässt. Sondern wie  flexibel dein Bauteil sein muss.

TPU90A oder TPU95A? Entscheidend ist nicht, ob sich das Filament biegen lässt. Sondern wie flexibel dein Bauteil sein muss.


Von Thomaz Inkolor
3 Min. Lesezeit


Stell dir vor, dein 3D-Druck ist fertig – aber das Bauteil fühlt sich steifer oder weicher an als geplant. Die Oberfläche sieht gut aus. Die Masse scheinen zu stimmen. Nur die Funktion passt noch nicht. Genau deshalb beginnt die Wahl zwischen TPU90A und TPU95A lange vor dem Einlegen der Filamentrolle. Die erste Frage lautet nicht «Welches ist besser?», sondern «Was muss mein Bauteil können?» 

1. WAS BEDEUTEN 90A UND 95A? 

TPU kommt im 3D-Druck bei Bauteilen zum Einsatz, die flexibel sein sollen. Die Bezeichnungen 90A und 95A  beziehen sich auf die nominelle Härte nach der Shore-A-Skala. 

Im direkten nominellen Vergleich ist TPU90A weicher und TPU95A fester. Das bedeutet nicht, dass eine Variante  grundsätzlich besser ist. Geometrie, Wandstärke, Füllung, Druckausrichtung und Einsatzbedingungen beeinflussen  das Verhalten des fertigen Bauteils ebenfalls. 

Warum ausprobieren? Zwei gleich geformte Muster zeigen einen Unterschied, den ein Foto der Filamentrolle  nicht erklären kann. 

Visual-Idee: Zwei echte, klar gekennzeichnete Testkörper nebeneinander. Keine Dehnungswerte ohne  dokumentierte Prüfung angeben. 

2. WENN DEINE IDEE MEHR FLEXIBILITÄT VERLANGT: TPU90A


Ein experimenteller Schutzüberzug. Ein elastisches Teil. Ein Bauteil, das sich konstruktionsbedingt verformen soll. 

Inkolor beschreibt TPU90A für elastische Komponenten, Schutzelemente und funktionale Anwendungen.  Aufgrund seiner geringeren nominellen Härte kann es sinnvoll sein, diese Variante zu prüfen, wenn mehr relative  Weichheit gefragt ist. 

Wichtig: «Schutz» ist kein Nachweis für eine bestimmte Stossdämpfung. Bei sicherheitsrelevanten Teilen müssen  Konstruktion und Leistung unter realen Einsatzbedingungen geprüft werden. 

Warum ausprobieren? Du kannst über dekorative Drucke hinausgehen und Formen entwickeln, bei denen  Biegsamkeit eine Rolle spielt. 

Anwendungs-Idee: Prototypen für Hüllen, Auflagen oder verformbare Komponenten – ohne unbelegte  Sicherheitsversprechen. 

3. WENN DAS BAUTEIL ETWAS FESTER SEIN SOLL: TPU95A

Nicht jedes flexible Teil muss besonders weich sein. 

Inkolor nennt für TPU95A mögliche Anwendungen wie Handyhüllen, Dichtungen, Schuhsohlen-Prototypen und  verformbare Komponenten. Nominell ist 95A fester als 90A.

Das kann interessant sein, wenn ein Entwurf Flexibilität mit einem festeren Griffgefühl verbinden soll. Prüfungen  zu Dichtigkeit, Dämpfung, Belastbarkeit oder Sicherheit ersetzt diese Einordnung nicht. 

Warum ausprobieren? Zwei Versionen desselben Bauteils helfen, Passform, Haptik und Geometrie vor einer  Kleinserie zu beurteilen. 

Anwendungs-Idee: Ein nicht sicherheitskritischer Prototyp für eine Hülle, einen Griff oder ein flexibles  Funktionsteil. 

4. TEMPERATUR UND GESCHWINDIGKEIT: KEIN PROFIL BLIND ÜBERNEHMEN

Für die 1,75-mm-Filamente im FDM-Verfahren nennt Inkolor folgende Ausgangswerte: Inkolor TPU90A: Düsentemperatur 220–240 °C bei einer Druckgeschwindigkeit von höchstens 40 mm/s. Inkolor TPU95A: Düsentemperatur 190–210 °C bei 50–80 mm/s oder 210–230 °C bei 80–120 mm/s. 

Das sind die veröffentlichten Produktempfehlungen, keine Garantie für identische Ergebnisse auf jedem  Drucker. Prüfe die Temperaturgrenzen deines Geräts, die Filamentführung und die Vorgaben des  Druckerherstellers. Eine spezifische Extruderempfehlung für jedes Produkt muss zusätzlich technisch bestätigt  werden. 

Warum ausprobieren? Mit einem kleinen Kalibrierungsdruck kannst du Einstellungsprobleme besser von  Materialunterschieden unterscheiden. 

Test-Idee: Ein einfaches Muster drucken, Einstellungen dokumentieren und jeweils nur eine Variable ändern.

 5. EIN GUTER TEST BESTEHT AUS MEHR ALS EINMAL BIEGEN

Bevor du dich entscheidest, frage dich: 

  • Muss sich das Bauteil regelmässig oder nur gelegentlich verformen? 
  • Braucht der Entwurf mehr Weichheit oder mehr relative Festigkeit? 
  • Sind Wandstärke, Füllung und Druckausrichtung berücksichtigt? 
  • Kann dein Drucker dieses Material kontrolliert verarbeiten? 
  • Sind besondere Prüfungen, Normen oder Sicherheitsnachweise erforderlich? 

Die passende Wahl entsteht aus Funktion, Geometrie, Material und Druckprozess, nicht allein aus dem Namen  auf der Verpackung. 

Warum ausprobieren? Dokumentierte Muster helfen dir, funktionierende Einstellungen zu reproduzieren. 

Produktions-Idee: Materialcharge, Drucker, Ausrichtung, Temperaturen und Beobachtungen festhalten. Informelle Tests nicht als geprüfte Leistungswerte darstellen. 

6. MIT WELCHEM INKOLOR-TPU STARTEN? 

Wenn du eine weichere Haptik und nominell höhere Flexibilität untersuchen möchtest, schau dir TPU90A an. Wenn du für ein flexibles Bauteil einen vergleichsweise festeren Ausgangspunkt suchst, prüfe TPU95A. 

Bei Inkolor 3D findest du beide Varianten für den FDM-Druck. Lies vor dem Kauf die Angaben zum gewählten  Produkt und prüfe die Kompatibilität mit deinem 3D-Drucker. 

Nicht das Material allein entscheidet. Dein Projekt bestimmt, was das Material leisten muss. 


Warum ausprobieren? Ein Vergleich mit derselben Geometrie kann neue Möglichkeiten für Produkte, Prototypen  und individuelle Lösungen zeigen. 

Material-Idee: TPU90A und TPU95A von Inkolor anhand vergleichbarer Muster und geeigneter Anwendungstests  gegenüberstellen. 

Und jetzt: Welches Bauteil würdest du gerne mit beiden Härtegraden testen? 

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